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Reden und Dialogpredigt zu Klima-Demonstration am 13.9.2008

- Pressemitteilung
- Rede von René Schuster
- Rede von Pfarrer Mathias Berndt
- Dialogpredigt in Kerkwitz

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Rote Karte für Vattenfall - neue Kontakte für Kerkwitz

(Pressemitteilung vom 14.09.2008)

Am Sonnabend dem 13.9. demonstrierten vor dem Vattenfall-Kraftwerk Jänschwalde etwa 1000 Menschen unter dem Motto "Kohle stoppen - Klima schützen" und zeigten den Plänen von Vattenfall für einen Ausbau der Braunkohlenutzung symbolisch die Rote Karte. Bundesweit protestierten damit etwa 6000 Menschen gleichzeitig gegen Kohlekraftwerke.

Eine Vielzahl von Mitgliedsorganisationen der bundesweiten Klima-Allianz, wie GRÜNE LIGA, BUND, NABU, campact, attac und andere brachten auf Transparenten und Schildern die Forderung nach einer Verringerung der Kohleverstromung in Deutschland zum Ausdruck. Sie unterstützten damit das Anliegen des bevorstehenden Volksbegehrens "Keine neuen Tagebaue" in Brandenburg. Auch Umsiedlungsbetroffene des Vattenfall-Tagebaus Nochten in Nordsachsen präsentierten sich mit einem eigenen Informationsstand.

Ein Teil der bundesweit angereisten Gäste nutzte die Gelegenheit, nach der Demonstration begleitet von Bewohnern des bedrohten Dorfes Grabko einen Blick in den Vattenfall-Tagebau Jänschwalde zu werfen. Die Gäste zeigten sich tief beeindruckt vom Ausmaß der Landschaftszerstörung durch den Braunkohlebergbau. Im Abschluß fand im ebenfalls bedrohten Kerkwitz ein Freiluftgottesdienst statt. Die Pfarrer Ingolf Kschenka und Mathias Berndt hielten vor Bewohnern und Gästen des Dorfes eine eindrucksvolle Dialogpredigt über das Verhältnis von Nutzung und Schutz der Schöpfung. Beim anschließenden Musikprogramm nutzten die Gäste die Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen und sagten den von Tagebauplänen Betroffenen auch für die Zukunft ihre Unterstützung zu.

Beide Veranstaltungen verliefen vollständig friedlich und ohne Zwischenfälle, die Veranstalter bedanken sich für die gute Zusammenarbeit mit der Polizei. Merkwürdig waren jedoch einige Vorkommnisse im Vorfeld der Demonstration: so hatte Vattenfall offensichtlich eine Reihe Hinweistafeln entfernt, die den Weg zum Kraftwerk Jänschwalde wiesen. Zudem behinderte die Vattenfall-Werksfeuerwehr am Vormittag eine nahezu eine dreiviertel Stunde den Aufbauteams die Zufahrt zum genehmigten Demonstrationsort, indem sie ein pro-Braunkohle-Banner über die Staße anbrachte. Den Klima-Demonstranten war diese Form der Plakatierung indessen untersagt.

Während am Demonstrationszug noch etwa 600 Menschen teilgenommen hatten, fanden sich anschließend auf dem Kundgebungsgelände etwa 1000 Menschen zusammen. Dies erklärt die ggf. abweichenden Zahlen in der bisherigen Berichterstattung.

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Rede von René Schuster (Grüne Liga) für das Volksbegehren-Bündnis

Lube psijasele, lube gosci, ja Was wutšobnje wuwitam!

Liebe Freunde, liebe Gäste, Ich begrüße Euch in meiner Lausitzer Heimat.

Ein Teil dieser Heimat steigt gerade durch diese Kühltürme zum Himmel auf. Ich habe elf Jahre - von 1994 bis 2005 – in Lacoma gewohnt habe und dieser Ort wird zur Zeit im Kraftwerk Jänschwalde verheizt. Dem Dorf Horno geht es nicht anders.

Als Lausitzer Sorbe gehöre ich einer Minderheit an,als Tagebaukritiker ist das inzwischen nicht mehr so.
Das habe ich in den vergangenen Monaten gelernt.
Unsere Landesregierung muß das erst noch lernen und deshalb machen wir ein Volksbegehren.

So könnte man es auf einen Satz verkürzen. Die etwas ausführlichere Fassung beginnt im März 2007. Zu diesem Zeitpunkt erfuhren die Menschen in der Lausitz, dass Lacoma und Horno eben nicht die letzten Opfer sein sollen, die die Region für die Energieversorgung des Landes bringen soll. Die Landesregierung hatte sich von der TU Clausthal ein Gutachten machen lassen, um zu erfahren, wo man als nächstes weiterbaggern könnte. Dieses Gutachten stellt die Zukunft ganzer Landstriche in Frage und es wurde nicht etwa freiwillig veröffentlicht, sondern mußte von der Presse enthüllt werden. Wir wissen nicht, wann die Landesregierung mit diesen Plänen sonst herausgerückt hätte.

Der öffentliche Druck führte dazu, dass Vattenfall die Pläne im September 2007 auf vier neue Tagebaue in Brandenburg und einen in Sachsen konkretisierte. Aber das bedeutet immer noch 3700 Betroffene, die direkt umgesiedelt werden müßten. Tausende weitere sind indirekt betroffen, ganze Städte wie Guben, Welzow und Spremberg müssen sich Sorgen machen, ob dann dort überhaupt noch jemand leben will.

Seit Juni 2007 trifft sich die Klinger Runde, eine Bürgerinitiative, die sich den Zusammenhalt zwischen den betroffenen Dörfern der Lausitz auf die Fahnen geschrieben hat. Vertreter aus 43 Orten haben sich dort in einer gemeinsamen Erklärung gegen neue Tagebaue ausgesprochen. Das sind Menschen, die verstanden haben, dass die jetzt bedrohten Dörfer nur die zuerst bedrohten Dörfer sind und die Gier der Konzerne danach kein Ende haben wird.
Zumindest nicht von selbst.

Während sich in der Lausitz die Klinger Runde zusammentat, entstand auf Landesebene ebenfalls ein Bündnis: die Volksinitiative „Keine neuen Tagebaue“, in der Umweltverbände, Parteien und Vereine zusammenwirken um ein Gesetz zum Auslaufen der Braunkohleförderung auf den Weg zu bringen.
Dieser Gesetzentwurf will einen klaren und verbindlichen Schlußstrich ziehen: Die genehmigten Tagebaue sollen zu Ende geführt werden können, neue sollen aber verboten sein. Das bietet den Dörfern langfristige Sicherheit und den in der Kohle Beschäftigen bietet es Zeit für allmähliche Umstrukturierungen und verträgliche Lösungen.

Gemeinsam haben wir die erste Hürde genommen. 20000 gültige Unterschriften braucht eine Volksinitiative in Brandenburg und wir haben diese Zahl deutlich überboten. Doch der Landtag lehnte unseren Vorschlag ab. Nun müssen wir eine deutlich höhere Hürde angehen: Mit 80000 auf den Meldeämtern geleisteten Unterschriften künnen wir den Landtag überstimmen und unseren Vorschlag wieder auf die Tagesordnung setzen. Dafür werden wir nur vom 10.Oktober bis zum 9.Februar Zeit haben. Sind wir erfolgreich, gibt es vielleicht im nächsten Jahr eine Volksabstimmung über unseren Vorschlag.

80000 Unterschriften sind eine sehr große Hürde.
Deshalb brauchen wir Eure Unterschrift und auch die der Menschen, die Ihr begeistern und mitreißen könnt!
Und deshalb müssen wir die Breite unseres Bündnisses nutzen. Menschen aus allen demokratischen Parteien haben die Initiative mit auf den Weg gebracht, Liberale, CDU-Mitglieder, Grüne, Linke, Sozialdemokraten und natürlich viele Parteilose waren unter den Erstunterzeichnern. Das zeigt: unser Volksbegehren ist keine linke Propaganda und auch keine grüne Propaganda, sondern es ist einfach nur vernünftig.

Ich will deshalb zum Abschluß auch ausgerechnet einen Baggerfahrer zitieren. Der eine oder andere wird sich an Gerhard Gundermann aus dem Tagebau Spreetal erinnern. Der hat einmal gesagt:

„So wie es einen Generationenvertrag gibt, müßte es auch eine Art Technologievertrag geben. Ich weiß, dass Braunkohleförderung eine erd- und menschenschädigende Arbeit ist zu Gunsten eines aktuellen menschlichen Nutzens. (...) Nun mache ich also Energie, die gebe ich Leuten, die in ihrem Büro unter einer Lampe sitzen und Lösungen finden, wie man den Strom auf bessere Weise kriegen kann. Ich fahre also nur solange Bagger, bis der Technologe unter seiner Schreibtischlampe fertig ist mit seinen Forschungen und Entwicklungsangeboten.“

Das hat Gundermann 1996 gesagt. Die Technologen haben seitdem nicht wenig gearbeitet und können Ergebnisse vorzeigen. Es ist deshalb Zeit, die nötigen Schlußfolgerungen zu ziehen.

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Rede von Pfarrer Mathias Berndt, Atterwasch

Allen, die hierher gekommen sind, danke ich im Namen der Einwohner der Dörfer Atterwasch, Kerkwitz und Grabko herzlich für Ihr Engagement im Kampf gegen die Verstromung von Braunkohle mit der dahergehende Umweltvernichtung; ich danke für die Solidarität mit uns in den betroffenen Dörfern. Es ist für uns ein ermutigendes Zeichen, dass so viele Menschen bundesweit mit uns hoffen und kämpfen, bangen und beten. Gemeinsam, nur gemeinsam können wir es schaffen, dass nicht der Profit allein unser Land regiert, sondern dass im Einklang mit den Menschen und der Natur regiert und gelebt wird.

Ich wünsche keinem Menschen, dass er das erleben muss, was wir vor einem Jahr durchmachten, dass plötzlich und unerwartet ein Brief im Kasten steckt, der einen wissen lässt, dass man nach Ansicht der Politiker und Energieerzeuger fehl am Platz ist, dass einem der Boden im wahrsten Sinne des Wortes unter den Füßen weggezogen werden soll, dass die Bäume im Garten gefällt, die Häuser an der Dorfstraße abgerissen, die Kirche gesprengt, und das Unterste nach Oben gedreht werden soll. Fast zynisch klingt es, wenn solch ein Brief mit ‚Glück auf’ schließt.
Solch eine vernichtende Nachricht wünsche ich keinem Menschen, auch keinem Politiker, auch keinem Energieerzeuger.

Der Mensch hat von Gott den Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren – und nicht, sie zu zerstören oder das Geschaffene zu vernichten. Da hilft auch kein Gesäusel von ‚sozialverträglichem Neuanfang’, wie Vattenfall die Zwangsumsiedlung und Vertreibung aus der angestammten Heimat schönfärberisch nennt. (Unter uns ist die BürgerInitiative Schleife, die berichten kann, wie in Wahrheit die Umsiedlung aussieht.) Da hilft auch kein Versprechen von blühenden Landschaften später einmal. Solche Versprechen brauchen wir nicht, blühende Landschaften haben wir jetzt schon! Und wir wollen sie auch jetzt behalten, dafür kämpfen wir. Wir wollen uns nicht aus unserer Heimat vertreiben lassen.

Eine Politik, die auf eine Technik setzt, die es noch gar nicht gibt – und die für den Notfall keinen Plan B hat -, ist unverantwortlich. Unverantwortlich, weil sie jetzt schon traurige Realitäten schafft für den Fall, den es vielleicht gar nicht geben wird. Unverantwortlich, weil sie ihre eigenen Bürger schon jetzt in Angst und Schrecken versetzt, um den Fall vorzubereiten, von dem sie selbst sagt, dass sie gar nicht weiß, ob es ihn geben wird. Und das alles nur, um dem Finanzkapital zu gefallen. Eine Politik, die auf eine Technik setzt, die das, was stört, unter der Erde verstecken will – nach dem Sprichwort „Aus den Augen – aus dem Sinn“ – handelt an der heutigen Generation und den kommenden Generationen unverantwortlich. Das ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Nachhaltig ist nur die zunehmende Gefährdung der Menschen. Reicht uns das ungelöste Atommüll-Problem nicht schon aus? Brauchen wir wirklich noch CO2 unter der Erde, um das Leben noch nachhaltiger zu gefährden?

Ich appelliere an die Landes- und Bundespolitik, zur Vernunft zurückzukehren. Natürlich brauchen wir alle Energie, auch in Atterwasch, Grabko und Kerkwitz. Aber doch nicht auf der Grundlage, dass die eigene Bevölkerung vertrieben werden muss! Und auch nicht auf der Grundlage, dass wir uns einerseits einsetzen für die Erhaltung des Regenwaldes weit weg und den eigenen Wald gleichzeitig abholzen und die natur vernichten und absoluten Kahlschlag praktizieren. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir den Raubbau und Frevel an Gottes guter Schöpfung verhindern können. Natürlich gehört auch dazu, dass jeder und jede von uns den eigenen Lebensstil überprüft und verändert, wo er der Energieverschwendung begegnen kann. Und es ist auch die Hoffnung, dass Energieerzeugung und Erhaltung und Bewahrung der Schöpfung zusammen passen.

Ich möchte schließen mit einer märchenhaften Geschichte, die die Hoffnung auf Vernunft über alles stellt.
Es war in der Zeit, als die Menschen noch Kriege gegeneinander führten. Zwei feindliche Heere standen sich vor einer Schlucht gegenüber und jeder Befehlshaber schickte Späher aus zu erkunden, an welcher Stelle man durch die Schlucht gelangen kann. Die Späher berichteten ihren Herren: „Es gibt unten eine Stelle, wo wir auf die andere Seite können, aber genau da steht ein Haus mit einem kleinen Garten drum herum, darin wohnt ein Mann mit seiner Frau, und beide wirken so glücklich, sie leben dort wie im Paradies. Aber das ist die einzige Stelle, wo wir auf die andere Seite gelangen können.“
Als das die Befehlshaber hörten, entschieden sie unabhängig voneinander übereinstimmend: „Dann kann der Krieg nicht stattfinden. Wir können doch nicht das Glück dieser Menschen zerstören!"

Möge unserer Landesregierung solche Weisheit gegeben sein, nichts zu tun, was das Glück und das glückliche Zusammenleben der Menschen zerstört; mögen sie alles daransetzen, die glückliche Existenz der Menschen und das Fortbestehen der Natur zu fördern und zu schützen.

Ich danke für die Aufmerksamkeit!
Herzlich einladen möchte ich noch anschließend nach Kerkwitz. Shuttle-Busse bringen Sie im Anschluss an diese Kundgebung dorthin; während der Fahrt haben Sie Gelegenheit, das Ausmaß der Zerstörung durch die Braunkohleförderung zu erleben.
In Kerkwitz beginnen wir um 18.30 Uhr mit dem Freiluftgottesdienst auf dem Sportplatz. Wir wollen Gott danken für das glückliche Leben miteinander in unseren Dörfern und inmitten seiner guten Schöpfung.
Und wir wollen Gott bitten, dass er uns und unseren Lebensraum erhalte, dass wir unseren Kindern und Kindeskindern eine lebenswerte Welt hinterlassen.

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Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.
(1.Mose 1,31)

Dialogpredigt am 13.September 2008 in Kerkwitz
Pfarrer Ingolf Kschenka, Forst-Noßdorf und Pfarrer Mathias Berndt, Atterwasch

I.
(Pfarrer Kschenka: )

Wir sind heute mit dem Fahrrad durch unsere Heimat gefahren. Das hat mich sehr bewegt. Ich habe dem Kraftwerk den Rücken zugewandt und daran gedacht, dass der Weg früher nicht befestigt war und „durch die Kleine Heide“ hieß, als mich meine Eltern mit dem Kinderwagen dort entlang vom Wohnort Jänschwalde über Peitz/Ost in ihr sorbisches Heimatdorf schoben. 20 Jahre vor dem Kraftwerksbau.
Dann kamen wir heute über die Malxe - Brücke , wo ich gemeinsam mit den anderen Dorfjungs in jedem Sommer angelte und badete. Wir sahen wunderbare Wiesen, Felder , schmucke Dörfer und Wälder. Und wir sahen „an alles, was Gott gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“.
Denn wir nahmen mit dem Fahrrad nicht den Weg über die zerschundenen Ränder von Horno und nicht über die Hinterlassenschaften des Militärflugplatz vom NVA-Standort Jänschwalde / Ost, wo ich zur Schule ging. Sondern wir fuhren durch die Oase Pastlingsee, und ließen bis hier (der Landschaft Grabko, Atterwasch, KERKWITZ) unsere Augen übergehen und unsere Seele tief durchatmen.
Eine Hand voll Erde – so oder so? Schau sie dir an!

Lied „Eine Hand voll Erde“

(erste Gegenreaktion, Pfarrer Berndt:)

Ja, unsere Landschaft ist sehr schän, einmalig. Und was sie so ganz besonders macht, sind die persönlichen Erinnerungen: Kindheit, erste Liebe, Haus bauen, Familie gründen. Das alles verbindet sich mit diesem unserem Lebensraum.
Eine alte Erzählung sagt, dass der liebe Gott die Lausitz geschaffen hat, und dann kam der Teufel und versteckte darunter die Kohle.
Ich glaube das nicht!
Ich glaube, die Kohle ist auch von Gott und gehört mit hinein in unseren Schöpfungsauftrag, dass wir die Erde Gottes verwalten sollen, die ganze Erde, mit dem was drauf und dem was drunter ist. Denn ohne Energie geht heute doch gar nichts mehr.
Wir müssen akzeptieren, dass wir nicht einfach stehen bleiben können bei dem, was mal war. Unsere ganze Natur, diese unsere gepriesene und geliebte Landschaft, ist ja nicht mehr das, was sie mal war, sondern Kulturlandschaft, von Gott zwar gemacht aber dann vom Menschen gestaltet. Heißt nicht: ‚Die Erde bebauen und bewahren’ sie zu nutzen für unseren Fortschritt und peinlich genau darauf zu achten, den Schaden so gering wie möglich zu halten?
Ganz ohne Schaden würde unsere Natur doch auch nicht bleiben, wenn wir gar nichts täten und alles dem Selbstlauf überließen.
Doch, doch, unser Auftrag von Gott ist es schon, einzugreifen und zu gestalten.

II.
(Pfarrer Kschenka: )

Ja, das alles muss man bedenken. Politiker , Wirtschaftskapitäne, auch Kirchenführer und Werbepsychologen bedenken unsere Versorgungswünsche und Verlustängste. Es wäre dumm das ganz außer Acht zu lassen. Da werden auch in der Schöpfung angelegte notwendige Überlebensinstinkte und echter Forscherdrang angesprochen.
Aber der liebe Gott lässt uns durch sein Wort noch ein Stück weiter denken: Bedenkt, was wir im Streben nach vermeintlicher Versorgungssicherheit und Bequemlichkeit doch immer bewahren müssen! Was geschieht denn überall dort, wo wir auf „Teufel komm raus“ dem Lebensstandart und nicht der Lebensqualität nachlaufen? (Wir haben es heute am Beispiel von Kirgistan und ganz Mittelasien wie eine Horrorvision von unserer Klimazeugin berichtet bekommen. Mit etwas Abstand sieht man Manches klarer. ) Die auf Kosten von Dorfbewohnern, Tieren, Pflanzen und Wasserkreisläufen erworbenen Energien, Arbeitsplätze und Kapitalquellen bringen kurzen Genuss für wenige und langes Leid für viele Nachkommen und für Opfer des Klimawandels schon heute.
„Die Erde hat Fieber“ steht inzwischen auf dem Collegeblock vieler Schüler. Und daran ändern nun leider auch löbliche kosmetische Korrekturen (Sommerrodelbahnen und Findlingsparks) oder aufwendige Nachbesserungen herzlich wenig. Ein 19 jähriger Jugendlicher aus Forst zeigte mir vor ein paar Wochen stolz und auch etwas provozierend sein Geburtstags T-Shirt mit dem Spruch: „ Ihr geht mit der Welt um Als hättet ihr eine zweite im Keller.“ Darüber möchte ich noch nachdenken.

(zweite Gegenreaktion, Pfarrer Berndt:)

Natürlich, auf Lebensqualität kommt es an. Vor sich hin vegetieren ist kein Leben, weil es keine Qualität hat.
Wenn ich mir die Langzeitarbeitslosen ansehe, die von Behörde zu Behörde laufen müssen, um über die Runden zu kommen: Das ist doch keine Lebensqualität.
Lebensqualität heißt doch auch, eine sinnvolle Aufgabe zu haben, mit meiner Arbeit mein Brot zu verdienen.
Und dass ich mich hier heimisch fühle, diesen Landstrich und die Dörfer hier als meine Heimat bezeichne, hängt doch auch damit zusammen, dass ich hier mein seelisches Gleichgewicht finde.
Es muss doch jeder akzeptieren, dass die Schaffung von Arbeitsplätzen immer mit der Inanspruchnahme von Ressourcen verbunden ist. Natürlich bleibt die Frage, wie viele Opfer wer zu bringen hat, damit wir unsere Lebensqualität halten und vielleicht sogar noch verbessern können.
Ohne Energie geht nichts. Woher soll sie kommen?
Bei den Windkraftanlagen jaulen wieder Andere rum,
mit Solarparks wird die Landschaft verschandelt,
mit Strömungs- und Gezeitenkraftwerken gehen die Fische drauf.
Irgendwer oder –was muß immer leiden, wenn man vorankommen will.

III.
(Pfarrer Kschenka: )

Lieber Mathias Berndt, liebe Mit-Menschen, Schwestern und Brüder!

Was möchte ich bekräftigen und was möchte ich von dem was du als Gegenargumente brachtest lernen:
1. Wir sind ein Wunderwerk, entwickelt aus Sternen- und Erdenstaub. Darum seid sorgsam mit den begrenzten Ressourcen am Bord unseres gemeinsamen Raumschiffs Erde.
2. Entwurzelte Menschen brauchen starken, oft übermenschlichen Trost, verwurzelte Menschen brauchen nur einfache Solidarität.
3. Wir selbst leben als Christen weder so solidarisch noch so herzlich, dass die angesprochene fröhliche Lebensqualität, (die viel mehr ist als Lebensstandart) anziehend sein könnte.
4. Auch wir müssen eingestehen, dass ein bestimmtes Maß an Eingriffen in die Natur immer unvermeidlich bleibt; auch wenn die Beweislast der Unvermeidlichkeit nicht bei den Verdrängten Bewohnern, Tieren und Pflanzen, sondern bei den Verursachern liegt.
5. Ich habe die Hoffnung, dass Gott zwar für uns keine neue Welt im Keller, wohl aber biblisch gesprochen: in Christus, dem leidenden und Auferstandenen bereit hält. Was das für unsere friedlich zu führende Auseinandersetzung heute bedeutet, ist ein Thema für den nächsten Gottesdienst, vielleicht schon morgen am Erntedankfest.

(Pfarrer Berndt:)

Lieber Ingolf Kschenka, liebe Mitchristen, liebe Mitbürger

Auch ich möchte von unserem Gespräch lernen. Wir hatten ja verabredet, eine Dialogpredigt zu halten.
Dialog heißt: Aufeinander hören, miteinander reden und streiten, voneinander lernen, gemeinsame Ziele formulieren.
Wenn wir miteinander unseren Schöpfungsauftrag wahrnehmen, die Erde Gottes, die er in unsere Hände gegeben hat, zu bebauen und zu bewahren, dann werden wir demütig zu ihm aufschauen und die Relation wahrnehmen, in der wir leben, in der die Welt im Gleichgewicht existiert: Dass Gott der HERR ist - - - und wir seine Geschöpfe sind.
Demütig leben heißt: Wir werden wir unsere Selbstüberschätzung ablegen müssen, dass wir etwas schlauer als der liebe Gott sind und durch unsere Veränderung die Erde etwas besser machen, als er sie geschaffen hat.
„Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ So steht es im Schöpfungsbericht in der Bibel. In diesem Sinne ist es unsere Aufgaben, die Erde sehr gut zu belassen und zu behalten, zu bewahren und zu nutzen, dass sie auch sehr gut bleibe, uns und unserer Nachwelt eine Landschaft, die wir lieben und ehren.


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