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Der geplante Tagebau Nochten - Abbaugebiet 2 (Sachsen)

(Letzte Änderung: Mai 2013)

Was geht mich der Tagebau Nochten an?

Sie wollen die Energiewende? Braunkohlekraftwerke verstopfen die Netze und behindern künftig immer mehr die Erneuerbaren Energien. Sie taugen nicht als Brückentechnologie.
Sie wohnen in Berlin? Ihr Trinkwasser wird durch Versauerung und Eintrag von Sulfat in die Spree gefährdet. Der Tagebau Nochten ist die größte Sulfatquelle im Spreegebiet. Durch das Wasserwerk Briesen ist auch die Stadt Frankfurt/Oder davon betroffen.
Sie wohnen in Norddeutschland? Die sächsische Landesregierung strebt sogar den „Neubau von Kraftwerken nach der Stilllegung der derzeit betriebenen“ an. Dann könnte künftig eine CO2-Pipeline mit Gas aus Nochten bei Ihnen vorbei kommen.
Sie wohnen in Spremberg oder im Amt Döbern? Bis zu Ihnen könnte die Grundwasserabsenkung des Tagebaues reichen.

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Übersichtskarte
(rot: geplanter neuer Tagebau, braun: genehmigter Tagebau Nochten, gelb: stillgelegter Tagebau)

Siedlungen

Die Orte Rohne, Mulkwitz und Mühlrose im sächsischen Kreis Görlitz würden völlig von der Landkarte verschwinden, Trebendorf würde mit Klein-Trebendorf einen weiteren Ortsteil verlieren. In Schleife würden alle Haushalte südlich der Bahnlinie verschwinden. Die Gesamtzahl der Umsiedler wird mit 1582 angegeben. Bei Abbaggerung des Abbaufeldes 2 hätte das Kirchspiel Schleife, das seit Jahrzehnten durch Umsiedlungen und Zerschneiden der Verbindungswege betroffen ist, insgesamt etwa die Hälfte seiner Dörfer verloren. Neustadt an der Spree und der verbleibende Teil von Schleife wären von den mittelbaren Auswirkungen des Tagebaus betroffen.

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Natur

Der Tagebau Nochten hat bereits die Naturschutzgebiete Eichberg, Hermannsdorfer Moor, sowie das Altteicher Moor und Große Jeseritzen zerstört, der Urwald Weißwasser wird in den kommenden Jahren unwiederbringlich vernichtet. Das FFH-Gebiet „Altes Schleifer Teichgelände“ zeichnet sich durch kleinbäuerliche Bewirtschaftung und durch viele seltene Pflanzen aus. Es ist bereits von der Grundwasserabsenkung betroffen und befindet sich künftig am Tropf einer als Auflage vorgeschriebenen Leitung für Zusatzwasser, die das Schlimmste verhindern soll. Das geplante Abbaugebiet befindet sich in unmittelbarer Nähe.

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Kultur

Der Tagebau Nochten vernichtet seit Jahren das vom Fürsten Pückler selbst gestaltete Jagdgebiet, zu dem früher ein Jagdschloss gehörte. Noch heute existieren dort viele Kulturdenkmäler, die nach und nach dem Tagebau zum Opfer fallen. Das sorbische Kirchspiel Schleife hat eine eigene Sprache, Tracht und Kultur, die sich von anderen sorbischen Gebieten unterscheidet. Sie wird von den Bewohnern der Region gehegt und gepflegt. Beispiele sind das Schleifer Folkloreensemble, die Rohner Kantorki, das Rohner Dorftheater, der Nepila-Hof als Denkmal des sorbischen Volksschriftstellers Hanzo Nepila, und der sorbische WITAJ-Kindergarten in Rohne. Eine so umfangreiche Umsiedlung bringt den Betroffenen über Jahre Stress, sie müssen sich mit substanzielleren Problemen beschäftigen. Auch zieht meist mindestens ein Drittel nicht an den gemeinsamen Umsiedlungsstandort. Damit gerät die Schleifer sorbische Kultur in große Gefahr.

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Wirtschaft

Im geplanten Abbaugebiet befinden sich derzeit mehrere Kleinbetriebe sowie eine Spedition. Bei die Erschliessung eines künftigen Tagebausees würden sich alle vier geplanten Erholungsbereiche auf gekippten Ufern befinden. Hier kann es zur Gefährdung von Leib und Leben der Erholungssuchenden kommen. In der jüngeren Vergangenheit mussten die Bergbehörden an Bergbauseen erüffnete Campingplätze aus Sicherheitsgründen wieder sperren, die investierten privaten und öffentlichen Mittel erwiesen sich nach Jahren als Fehlinvestitionen. Mit dem vorgelegten Planentwurf nimmt der Planungsträger vergleichbare Entwicklungen im Bereich des Tagebaues Nochten vorsätzlich oder grob fahrlässig in Kauf.

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Wasser und Folgelandschaft

Die prognostizierte Grundwasserabsenkung bei Erweiterung des Tagebaus Nochten reicht weit in das Nachbarland Brandenburg hinein. Davon wären geschützte Feuchtgebiete, das Trinkwasser für Spremberg und die Wasserversorgung des Industriestandortes Schwarze Pumpe betroffen. Das Funktionieren einer unterirdischen Dichtwand ist beim geplanten Verlauf in eiszeitlichen Störungzonen nicht gesichert.

Für die hohen Sulfatbelastungen in der Spree gilt bereits der heutige Tagebau Nochten als Hauptverursacher. Dieses Problem betrifft selbst die Trinkwasserversorgung von Frankfurt/Oder und Berlin, da Wasser dort aus dem Uferfiltrat des Flusses gewonnen wird.

Zur geplanten Bergbaufolgelandschaft soll ein 3000 ha (30 Quadratkilometer!) großer See gehören, der bis zum Jahr 2080 (!) geflutet werden soll. Die geologischen Verhältnisse sind jedoch offensichtlich für die Anlage eines solchen Sees nicht geeignet, wie die Planunterlagen durch Verweise auf die Versauerung an mehreren Stellen einräumen. Unklar bleibt,
- ob ausreichend Wasser zur Seeflutung verfügbar ist,
- wie die Versauerung erfolgreich verhindert werden soll,
- wie ein weiterer Eintrag von extremen Sulfatkonzentrationen über den Ablauf in die Spree verhindert werden soll,
- wie stark die Verdunstungsverluste einer zusätzlichen Seefläche dieser Größe den angespannten Wasserhaushalt der Lausitz belasten würden.
Hier droht langfristig ein ökologisches Notstandsgebiet organisiert zu werden.

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Planungsstand

Im Dezember 2006 beantragte Vattenfall beim zuständigen Regionalen Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien die Inanspruchnahme des Vorranggebietes. Für eine "Teilfortschreibung" des Braunkohlenplanes von 1994 wurde im Herbst 2008 bereits ein Vorentwurf veröffentlicht. Im Dezember 2009 entschied man sich um und beschloss stattdessen eine "Gesamtfortschreibung" des Planes. Zum Planentwurf wurde bis 20. Januar 2012 die Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt. 105 Träger öffentlicher Belange und 1107 Bürger reichten Einwendungen ein. Davon beziehen sich 960 auf die Stellungnahme der Grünen Liga. Im Dezember 2012 fand ein Erörterungstermin statt. Die Beschlussfassung im Braunkohlenausschuss wurde im April 2013 auf Juni verschoben, nachdem u.a. das Deutsche Indtitut für Wirtschaftsforschung die Notwendigkeit des Tagebaues bezweifelt hat, soll sie noch einmal geprüft werden.
Auch die brandenburgische Kohlepolitik wirkt indirekt auf das Verfahren. Kohle aus den Tagebauen Nochten und Reichwalde soll künftig verstärkt über die Landesgrenze nach Brandenburg geliefert werden.

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Links zum Tagebau Nochten

Braunkohle auf der Internetpräsenz des Regionalen Planungsverbandes
www.rpv-oberlausitz-niederschlesien.de

Bürgerinitiative Umsiedlungsbetroffener des Tagebaus Nochten (Sachsen)
www.umsiedler-schleife.de

Bilder und Filmbeiträge zur beginnenden Zerstörung des "Urwaldes Weisswasser" durch den Tagebau
auf tagebauwald.natur-talente.de

Alte Kulturlandschaft im Vorfeld des Tagebaus Nochten:
Rohne.info (private Homepage)
ein Fotoalbum
ein weiteres auf Fuerstpueckler.de

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