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Ein Informationsangebot der Umweltgruppe Cottbus e.V.

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Der geplante Tagebau Nochten-Vorbehaltsgebiet (Sachsen)

(Letzte Änderung: März 2010)

Übersichtskarte
(rot: geplanter neuer Tagebau, braun: genehmigter Tagebau Nochten, gelb: stillgelegter Tagebau)

Siedlungen

Die Orte Rohne (578 Einwohner), Mulkwitz (263) und Mühlrose (ca. 210) im sächsischen Kreis Görlitz würden völlig von der Landkarte verschwinden, Trebendorf würde mit ca. 290 Einwohnern in Klein-Trebendorf einen weiteren Ortsteil verlieren. In Schleife würden alle Haushalte südlich der Bahnlinie verschwinden, genaue Abbaukante und Umsiedlerzahlen sind dort noch nicht ermittelt. Alle genannten Orte haben derzeit noch mehr Einwohner, diese werden jedoch durch geplante Teilumsiedlungen des genehmigten Tagebaus Nochten reduziert. Bei Abbaggerung des Vorbehaltsgebietes hätte das Kirchspiel Schleife, das seit Jahrzehnten durch Umsiedlungen und Zerschneiden der Verbindungswege betroffen ist, insgesamt etwa die Hälfte seiner Dörfer verloren. Neustadt an der Spree und der verbleibende Teil von Schleife wären von den mittelbaren Auswirkungen des Tagebaus betroffen.

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Natur

Der Tagebau Nochten hat bereits die Naturschutzgebiete Eichberg, Hermannsdorfer Moor, sowie das Altteicher Moor und Große Jeseritzen zerstört, der Urwald Weißwasser wird in den kommenden Jahren unwiederbringlich vernichtet. Das FFH-Gebiet „Altes Schleifer Teichgelände“ zeichnet sich durch kleinbäuerliche Bewirtschaftung und durch viele seltene Pflanzen aus. Es ist bereits von der Grundwasserabsenkung betroffen und befindet sich künftig am Tropf einer als Auflage vorgeschriebene Leitung für Zusatzwasser, die das Schlimmste verhindern soll. Das Vorbehaltsgebiet befindet sich in unmittelbarer Nähe, evtl. würde ein Teil des Gebietes devastiert.

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Wirtschaft und Kultur

Der Tagebau Nochten vernichtet seit Jahren das vom Fürsten Pückler selbst gestaltete Jagdgebiet, zu dem früher ein Jagdschloss gehörte. Noch heute existieren dort viele Kulturdenkmäler, die nach und nach dem Tagebau zum Opfer fallen. Das sorbische Kirchspiel Schleife hat eine eigene Sprache, Tracht und Kultur, die sich von anderen sorbischen Gebieten unterscheidet. Sie wird von den Bewohnern der Region gehegt und gepflegt. Beispiele sind das Schleifer Folkloreensemble, die Rohner Kantorki, das Rohner Dorftheater, der Nepila-Hof als Denkmal des sorbischen Volksschriftstellers Hanzo Nepila, und der sorbische WITAJ-Kindergarten in Rohne. Eine so umfangreiche Umsiedlung bringt den Betroffenen über Jahre Stress, sie müssen sich mit substanzielleren Problemen beschäftigen. Auch zieht meist mindestens ein Drittel nicht an den gemeinsamen Umsiedlungsstandort. Damit gerät die Schleifer sorbische Kultur in große Gefahr. Im Vorbehaltsgebiet befinden sich mehrere Kleinbetriebe sowie eine Spedition. In den kommenden Jahren soll die Schäferei Rohne umgesiedelt werden.

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Wasser und Folgelandschaft

Die prognostizierte Grundwasserabsenkung bei Erweiterung des Tagebaus Nochten reicht weit in das Nachbarland Brandenburg hinein. Davon wären geschützte Feuchtgebiete, das Trinkwasser für Spremberg und die Wasserversorgung des Industriestandortes Schwarze Pumpe betroffen. Dennoch ist Nochten der einzige Lausitzer Tagebau, für den Vattenfall an keiner Stelle eine Dichtungswand zur Begrenzung der Grundwasserabsenkung vorsieht.

Für die hohen Sulfatbelastungen in der Spree gilt bereits der heutige Tagebau Nochten als Hauptverursacher. Dieses Problem betrifft selbst die Trinkwasserversorgung von Frankfurt/Oder und Berlin, da Wasser dort aus dem Uferfiltrat des Flusses gewonnen wird.

Zur geplanten Bergbaufolgelandschaft soll ein 3000 ha (30 Quadratkilometer!) großer See gehören, der bis zum Jahr 2080 (!) geflutet werden soll. Die geologischen Verhältnisse sind jedoch offensichtlich für die Anlage eines solchen Sees nicht geeignet, wie die Planunterlagen durch Verweise auf die Versauerung an mehreren Stellen einräumen. Unklar bleibt,
- ob ausreichend Wasser zur Seeflutung verfügbar ist,
- wie die Versauerung erfolgreich verhindert werden soll,
- wie ein weiterer Eintrag von extremen Sulfatkonzentrationen über den Ablauf in die Spree verhindert werden soll,
- wie stark die Verdunstungsverluste einer zusätzlichen Seefläche dieser Größe den angespannten Wasserhaushalt der Lausitz belasten würden.
Hier droht langfristig ein ökologisches Notstandsgebiet organisiert zu werden.

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Planungsstand

Im Dezember 2006 beantragte Vattenfall beim zuständigen Regionalen Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien die Inanspruchnahme des Vorranggebietes. Für eine "Teilfortschreibung" des Braunkohlenplanes von 1994 wurde im Herbst 2008 bereits ein Vorentwurf veröffentlicht. Im Dezember 2009 entschied man sich um und beschloß stattdessen eine "Gesamtfortschreibung" des Planes. Statt Ende 2011 soll das Verfahren nun Ende 2012 abgeschlossen sein. Dazu wurde ein neuer Vorentwurf des Plans veröffentlicht, zu dem die Träger öffentlicher Belange (TÖBs: Gemeinden, Behörden, Verbände) bis zum 25.03.2010 Stellung nehmen können. Auf der Grundlage dieses Vorentwurfes soll dann ein Entwurf und eine strategische Umweltprüfung erarbeitet werden.
Die brandenburgische Kohlepolitik wirkt hierauf indirekt durch den Verbrauch der Kraftwerke, der in die Gesamtbilanz des Lausitzer Reviers eingeht. Kohle aus den Tagebauen Nochten und Reichwalde soll künftig verstärkt über die Landesgrenze nach Brandenburg geliefert werden.

Stellungnahme der GRÜNEn LIGA Brandenburg zum Vorentwurf
19. März 2010 (pdf, 8 S.,33 kB)

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Links zum Tagebau Nochten

Braunkohle auf der Internetpräsenz des Regionalen Planungsverbandes
www.rpv-oberlausitz-niederschlesien.de

Bürgerinitiative Umsiedlungsbetroffener des Tagebaus Nochten (Sachsen)
www.umsiedler-schleife.de

Alte Kulturlandschaft im Vorfeld des Tagebaus Nochten (Sachsen):
ein Fotoalbum
ein weiteres auf Fuerstpueckler.de
und ein drittes auf der Schleifer Gemeindeseite

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