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Neue Tagebaue und Arbeitsplätze (Letzte Änderung: Juni 2012) Auch wenn neue Tagebaue aufgeschlossen würden, wird die Zahl der Arbeitsplätze im Lausitzer Revier weiter sinken und ein Teil dabei von Brandenburg nach Sachsen verlagert. Niemand kann die heute behaupteten Arbeitsplatzzahlen für die Laufzeit der geplanten Tagebaue verbindlich garantieren. Erneuerbare Energien schaffen bereits bundesweit deutlich mehr, in Brandenburg etwa genauso viele Arbeitsplätze wie die Braunkohle. Das Problem der Energiewirtschaft heißt nicht mehr Arbeitsplatz-, sondern Fachkräftemangel. Unvermeidbarer Beschäftigungsrückgang Oft werden nur Arbeitsplatzzahlen der Vergangenheit (z.B. des Jahres 2010) diskutiert.
Doch wie sähe es während der Betriebszeit neuer Tagebaue aus? Neubaukraftwerke beschäftigen
grundsätzlich weniger Menschen als die derzeit noch betriebenen nachgerüsteten DDR-Kraftwerke.
Schon 2015 endet planmäßig der Tagebau Cottbus-Nord. Der Ersatz für Cottbus-Nord kommt aus dem
Tagebau Reichwalde (Sachsen) und ist in den heutigen Arbeitsplatzzahlen längst enthalten. Auch die
Landesregierung Brandenburg stellt auf Grundlage eines eingeholten Prognos-Gutachtens in ihrer Energiestrategie
2030 fest, Keine Fachkräfte Seit den Massenentlassungen der frühen 1990er Jahre hat sich die Lausitz gewandelt.
Wer das Kraftwerk Jänschwalde mit aufgebaut hat, wird sein Arbeitsleben in der Regel dort abschließen
können, wenn es bis nach 2020 betrieben wird. Statt Arbeitslosigkeit heißt das Problem der
Energiewirtschaft nun Fachkräftemangel. Das Gutachten des Wirtschaftsministeriums zur Fortschreibung
der Energiestrategie formuliert dazu: Indirekte Arbeitsplätze Oft werden sogenannte indirekt Beschäftigte mit angegeben. Das sind Mitarbeiter von Zulieferfirmen, die nicht gezählt, sondern aus dem Auftragsvolumen errechnet werden. In der Zeitschrift "Vattenfall magazine" von April/Mai 2012 (S. 25) bekommt man ein Beispiel vor Augen geführt, in welche Richtung sich diese Zahlen entwickeln sollen: "Wir erwarten, dass Vattenfall in diesem Jahr durch noch intelligenteren Handel fast 150 Millionen Euro einspart. (...) Durch Erhöhung des Wettbewerbs unter unseren Lieferanten kann Vattenfall die Preise senken (...) Ziel für 2014 ist es, die Betriebskosten um 296 Millionen Euro zu senken." Neubaukraftwerk Jänschwalde nicht überschätzen Längst nicht alle Kohle-Arbeitsplätze hängen davon ab, ob in Jänschwalde
nach 2020 ein neues Kraftwerk gebaut wird. Die Kraftwerksstandorte Boxberg und Schwarze Pumpe können mit
der Kohle aus bestehenden Tagebauen noch deutlich länger Arbeit sichern und den schrittweisen Umstieg
ermöglichen. Bisheriger Rückgang Die Arbeitsplätze in der Braunkohlewirtschaft (Sachsen + Brandenburg) zeigten nach Angaben des deutschen Braunkohle Industrie Vereins DEBRIV zuletzt folgende Entwicklung:
* (durch Umstrukturierung nicht direkt vergleichbar) Zudem sind alle diese Zahlen künstlich erhöht. So zählt der DEBRIV
beim „Lausitzer Braunkohlenrevier“ auch hunderte Arbeitsplätze außerhalb der Lausitz mit. Zu Vattenfall
Europe Generation gehören 2007 allein 400 Mitarbeiter und Auszubildende im Kraftwerk Lippendorf bei
Leipzig sowie eine nicht genannte Anzahl Mitarbeiter in den sächsischen und thüringischen
Pumpspeicherwerken. Erst hartnäckige Nachfragen im Braunkohlenausschuss brachten das ans Licht. Wie sollen
diese Arbeitsplätze von neuen Tagebauen in der Lausitz abhängen?
Zweifelhafte Versprechungen Als die PROGNOS AG 2005 im Auftrag von Vattenfall die Arbeitsmarkteffekte des Kraftwerksneubaus in Boxberg bewertete, wurden 1000 Arbeitsplätze in der 4-jährigen Bauphase also „4000 Personenjahre“ vorhergesagt.(4) Als Umweltaktivisten 2007 auf dem Baugelände protestierten, sprach Vattenfall noch von „weit über 300“ Leuten auf der Baustelle.(5) In der politischen Diskussion hatte Vattenfall also dreimal so viele Bauleute vorhergesagt, als bei einer Stichprobe bestätigt werden konnten. Das wirft ein zweifelhaftes Licht auf heutige Versprechen. Verursachte Schäden mit betrachten Bei der Entscheidung über neue Tagebaue müssen auch die durch die
Braunkohlewirtschaft be- oder verhinderten wirtschaftlichen Betätigungen und die damit verbundenen
Arbeitsplätze den Beschäftigungswirkungen neuer Kraftwerke/Tagebaue gegenübergestellt werden.
Das ist bisher nirgends geschehen. Beispielsweise würde die Region Guben als Wirtschaftsstandort
durch einen Tagebau Jänschwalde-Nord nachhaltig geschädigt.
Fußnoten: Vattenfalls Kohlewirtschaft - dauerhafter Wohlstand für die Lausitz? (aus "Vattenfalle 2"; April 2010) Das Image des „Partners der Region“ hatten wohl viele derjenigen Cottbuser im Hinterkopf,
die sich im Winter 2009/2010 nicht am Volksbegehren gegen neue Tagebaue und für eine zukunftsfähige
Energiepolitik beteiligten. Wer sägt schon gern an dem Ast auf dem er zu sitzen glaubt?
Kurz darauf - im Mai 2009 - kam heraus, was der Konzern sicher schon während des Volksbegehrens wußte:
Vattenfall zahlt in der Lausitz dramatisch weniger Gewerbesteuer, als zuvor von den Kommunen angenommen.
Cottbus erhalte noch etwa 2 statt der erwarteten 20 Millionen. Auch die Stadt Weißwasser (1,5 statt 13 Mio.)
oder die Kraftwerksstandorte wie Boxberg (ca. 2 statt 12 Mio) oder Teichland erhalten nun weniger – nur ist
deren Finanzlage nicht mit der Verschuldung der Stadt Cottbus vergleichbar. Hintergrund ist eine finanztechnische
Umstrukturierung des Unternehmens, also nicht etwa die Wirtschaftskrise.(1) (Am Ende des Jahres 2009 war der
Betriebsgewinn bei der deutsch-polnischen Vattenfall Europe sogar um knapp sieben Prozent auf 1,8 Milliarden
Euro gestiegen.(2)) Die Politik schickte 2009 Ministerpräsident Platzeck ins Rennen, der
wegen der Cottbuser Gewerbesteuer sogar nach Stockholm geflogen sein soll - ohne jeden Erfolg.
Hier zeigte sich, dass die Machtverhältnisse
zwischen Vattenfall und Landesregierung auf dem Kopf stehen.
Fußnoten: Visionen haben - Netzwerk knüpfen - Handeln anregen |
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