Die Bundesregierung hat Ende am 14.Juli den Entwurf eines "Kohlendioxid-Speichergesetzes (KSpG)"
vorgelegt. Bis zum 30.August waren neben anderen auch die Umweltverbände um Stellungnahmen zum Gesetzentwurf gebeten.
Hier der Gesetzentwurf (pdf, 6 S., 33 KB)
Stellungnahme der GRÜNEN LIGA (pdf, 81 S., 0,5 MB)
Die Genehmigung der CCS-Demonstrationsanlage in Jänschwalde dürfte sich nach Einschätzung des Umweltverbandes
GRÜNE LIGA deutlich verzögern. Der im Februar 2010 stattgefundene Scopingtermin muß wiederholt werden, bevor überhaupt
ein immissionschutzrechtlicher Antrag durch Vattenfall eingereicht werden kann. Vattenfall hat im Juni bekannt
gegeben, das technische Konzept der Anlage wesentlich zu ändern und damit die Verzögerung selbst verursacht.
Die Demonstrationsanlage soll nun nicht mehr in den vorhandenen Kraftwerksblock F intergriert,
sondern gesondert errichtet werden. Eine aussagekräftige Anlagenbeschreibung legte Vattenfall bisher jedoch nicht vor.
Während Transport und Endlagerung des absgeschiedenen Gases nach dem
geplanten CCS-Gesetz genehmigt werden sollen, wird die Kraftwerksanlage nach Bundesimmissionsschutzgesetz beurteilt.
Zuständige Genehmigungsbehörde dafür ist nach der jüngsten Umstrukturierung das Landesamt für Umwelt, Gesundheit
und Verbraucherschutz (LUGV).
Die Umweltgruppe Cottbus Cottbus stellte in einem
Hintergrundpapier vom 24.02.2010 sieben Fakten zum bisherigen Konzept dar:
1. Kurzdarstellung des Vorhabens
2. Sicherheit von Transport und Endlagerung soll ausgeklammert werden!
3. Klimakiller auf Abruf: Wozu wird ein Dampfkessel "konserviert"?
4. Der Wirkungsgrad: gering, aber immer noch geschönt
5. Dauerbetrieb: geplanter Raubbau für zwanzig Jahre
6. Vattenfall will Sonderbehandlung im Imissionsschutzrecht
7. Steigender Wasserverbrauch: Vattenfall pumpt die Lausitz leer
Hier das Hintergrundpapier (pdf, 2 S., 87 KB)
Braunkohle und Klima
Braunkohle ist der für das Weltklima schädlichste Energieträger. Obwohl
Millionensummen in Versuchsanlagen und in Imagekampagnen
fließen, wird sich daran auch in den nächsten Jahren
nichts ändern. Es wird versucht, neue Tagebaue mit einer noch nicht vorhandenen Technologie
zu legitimieren. Gleichzeitig plant Vattenfall aber eine drastische Laufzeitverlängerung
gerade der klimaschädlichsten Kraftwerksblöcke Deutschlands. Keines der großen Klimaschutzversprechen
zur Braunkohle wurde bisher verbindlich festgeschrieben.
Mit Braunkohle beheizte Kraftwerke setzen pro erzeugter Kilowattstunde Strom
das meiste CO2 in die Atmosphäre frei. Zum Vergleich:
Braunkohlenkraftwerk alt: ca. 1200 g CO2/KWh
(z.B. 3000 MW in Jänschwalde, 1000 MW Boxberg)
Braunkohlenkraftwerk, heutige Technik: ca. 1000 g CO2/KWh
Steinkohlenkraftwerk: ca. 750 g CO2/KWh
Modernes Gaskraftwerk: ca. 360 g CO2/KWh
Das Kraftwerk Jänschwalde steht damit europaweit an fünfter
Stelle unter den Klimakillern! Mit rund 25 Millionen Tonnen CO2
pro Jahr verursacht es mehr als 2 Prozent aller deutschen CO2-
Emissionen.
Die von Vattenfall propagierte Abscheidung und unterirdische Verpressung
der Klimagase („CCS“ für „carbon capture and storage“)
ist derzeit nicht verfügbar. Eine Versuchsanlage ohne Stromerzeugung
wird in Schwarze Pumpe errichtet. Seit September 2008 werden die Versuche durchgeführt, frühestens 2015
wird man wissen, ob CCS funktioniert. Bis dahin soll aber
bereits über drei der fünf neuen Tagebaue entschieden sein!
Zweifel an der CCS-Technik sind begründet:
• Niemand kann garantieren, wie sicher das CO2 unter der Erde
bleibt. Über tausende Jahre müßte eine Leckrate von Null
gewährleistet werden!
• Die Wirtschaftlichkeit der aufwändigen Technologie ist fraglich.
Unternehmen wie die STEAG gingen deshalb bereits auf
Distanz zur CO2-Abscheidung.(1)
• Weil für die CO2-Abscheidung
viel Energie verbraucht wird
(sinkender Wirkungsgrad), würde sogar ca. 30 Prozent mehr
Kohle (= mehr Dörfer) für dieselbe Menge Strom gebraucht.
Vor 2030 erwartet selbst Vattenfall keine breite Anwendung bei
allen Braunkohlenkraftwerken. Das bedeutet auch, dass Vattenfall
die Laufzeit
der 500 MW-Blöcke in Jänschwalde und Boxberg ab
2020 noch um 10 bis 15 Jahre verlängern will. So würden neue
Tagebaue und Umsiedlungen zu großen Teilen der Versorgung
von Deutschlands klimaschädlichsten Kraftwerken
dienen.(2)
Nachdem Vattenfall sie während des Volksbegehrens gegen neue Tagebaue noch verschwiegen hatte,
veröffentlichte der Konzern im März 2009 die beabsichtigten Verpressungsgebiete: weite Teile
Brandenburgs um Beeskow und Neutrebbin. Hier trifft das Unternehmen auf massiven Widerstand der Bevölkerung:
Internetseite der Bürgerinitiative "Contra Endlager" im Oderbruch
Internetseite der Bürgerinitiative "CO2 Endlager stoppen" bei Beeskow
In der öffentlichen Diskussion wird von der Kohlelobby immer
wieder behauptet, künftige Verstromung werde mit Kohlendioxidabscheidung
(CCS) oder gar nicht stattfinden. Diese politische
Behauptung
findet sich aber im entsprechenden Beschluß der
Regierungskoalition nicht wieder:
Zeitweise erwog die Landesregierung engeblich, die Pflicht zur CO2-
Abscheidung als landesplanerisches Ziel zu beschließen.(3) Meinte
sie es ernst, hätte sie es
Landesentwicklungsplan aufgenommen, der zu diesem Zeitpunkt gerade in Bearbeitung war.
Im Juni 2009 stellten die Landesbehörden gegenüber dem Braunkohlenausschuss klar, dass das auch in den
einzelnen Braunkohlenplänen nicht passieren wird. Mehr noch: die Umweltprüfung für Braunkohlepläne soll den
Verbleib des CO2 (die schlimmste Umweltfolge der Kohlenutzung) überhaupt nicht betrachten!
Mit dem Koalitionsvertrag der neuen rot-roten Landesregierung wurde (aller Voraussicht nach) lediglich die nächste
heiße Luft produziert:
"Neue Kraftwerke soll es in Brandenburg nur geben,
wenn damit die in der Energiestrategie 2020 festgelegten CO2-Reduktionsziele von
40 Prozent bis 2020 und weiteren 35 Prozent bis 2035 gegenüber 1990 erreicht
werden können. Hierzu soll der Umwandlungs-Sektor den größten Beitrag leisten.
Dazu sollen mit den Betreibern neuer oder zu modernisierender Kraftwerke
öffentlich-rechtliche Verträge abgeschlossen werden, um so einen entscheidenden
Beitrag zur Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2020 des Landes zu leisten."(4)
Die hier genannten Reduktionsziele sind nach wie vor die mit Vattenfall abgestimmten Aussagen
der Energiestrategie 2020. Eine Entkopplung von der CCS-Technologie hat nicht wie
mancherorts behauptet stattgefunden. Eher läßt der Wortlaut einen verheerenden
Umkehrschluß zu: Klappt es mit den neuen Kraftwerken nicht, können die alten bis 2035
weiterlaufen. Für diesen Fall werden nämlich keine CO2-Reduktionsziele genannt!
Mit Zustandekommen eines solchen Vertrages über Einzelheiten von Kraftwerksneubauten
verpflichtet Vattenfall zunächst einmal die Landesregierung auf weitere 50 Jahre
Braunkohlenutzung. Ob auch umgekehrt die Landesregierung Vattenfall etwas abringen will
und kann, steht dagegen in den Sternen. Absehbar ist, dass der Großkonzern keinen
freiwilligen Vertrag unterzeichnen wird, der seine geschäftlichen Bestrebungen einschränkt.
Hier ein Hintergrundpapier zum Koalitionsvertrag (29.10.2009, pdf, 4 S., 37 kb)
Neue Tagebaue in der Lausitz werden auch nicht gebraucht um das
Weltklima durch Export der CO2-Abscheidungstechnik zu retten.
An CCS-Verfahren forscht derzeit eine Vielzahl von Unternehmen
weltweit.(5) Zudem könnte für Entwicklung, Erprobung und Export
dieser Technologie die Kohle der bereits genehmigten Lausitzer
Tagebaue genutzt werden.
Fußnoten:
(1) Die STEAG (inzwischen Evonik STEAG) mit Sitz in Essen ist Deutschlands
fünftgrößter Stromerzeuger. “DIE ZEIT“ vom 29.03.2007 zitiert ein internes
Positionspapier des Konzerns, demzufolge die Technik »nicht wettbewerbsfähig« sei.
(2) as gilt selbst, wenn die Kohle neuer Tagebaue rein physisch nur in CCS-Kraftwerken
verbrannt würde, wofür es keinerlei Garantie gibt. Ohne neue Tagebaue
würde man die Kohle aus den jetzigen Tagebauen ab 2020 in den effektivsten Kraftwerken
(> 40 % Wirkungsgrad) verbrennen. Mit neuen Tagebauen
wird sie zur Laufzeitverlängerung der ineffektivsten
Blöcke (35 % Wirkungsgrad) verwandt und richtet so mehr Klimaschäden an.
(3) Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage, Landtagsdrucksache 4/5312
(4) "Vereinbarung zur Zusammenarbeit in einer Regierungskoalition für die 5. Wahlperiode
des Brandenburger Landtages 2009 bis 2014"(Koalitionsvertrag) zwischen SPD und LINKE, S.21, Zeilen 910-917
(5) Laut Pressemeldungen will z.B. ein chinesisch-amerikanisches Unternehmen bereits 2009 ein 250-Megawatt-CCS-Kraftwerk in Tianjin bauen. Statt mit reinem
Sauerstoff wird dort mit IGCC (einer Vergasungstechnik) gearbeitet. (Power Engineering Online, 31.12.2007)
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„Carbon Capture and Storage“ steht für Abtrennung von
Kohlendioxid und Speicherung in unterirdischen Lagerstätten.
Vattenfall verfolgt dabei das Grundprinzip des Oxyfuel-Prozesses,
bei dem die Verbrennung
mit reinem Sauerstoff anstelle von Luft
erfolgt. Das dabei entstehende Rauchgas enthält keinen
Luftstickstoff mehr, dafür steigt der CO2-Gehalt auf 75 bis 90
Prozent. Verbrennung mit reinem Sauerstoff bedeutet unerwünscht
hohe Temperaturen im Brennraum. Die für eine derartige
Hochtemperaturverbrennung über 800 °C nötigen Hochofenmaterialien
sind großtechnisch noch nicht verfügbar. Zum
Abkühlen wird ein Teil des Abgases zurückgeführt und damit
gleichzeitig die CO2-Konzentration erhöht. Beim Oxyfuel-
Verfahren wird ein Wirkungsgrad von 50 Prozent angestrebt.
Lufttrennung und Verflüssigung reduzieren diesen aber wieder
um 8 bis 15 Prozentpunkte. Bei konstanter Kraftwerksleistung
müsste also mehr Brennstoff eingesetzt werden.
Bisher ungeklärt ist die Frage der Lagerstättenkapazitäten für
das CO2. In Frage kommen alte Gas- oder Erdöllagerstätten, wo
das Abgas zum Auspressen der Restbestände genutzt werden
kann. Damit wird die suggerierte Klimaneutralität durch CCS
aufgehoben. Weiterhin wird in Ketzin bei Berlin an einem Speicher
in salinen Aquiferen (salzhaltigen Wasserschichten in großer
Tiefe) geforscht. Das flüssige CO2 löst sich im Salzwasser
und presst es zum Teil aus den Gesteinsporen.
Die Lagerstättensicherheit ist ebenfalls fraglich. Das Gas wird an
einem Ort stark konzentriert, ein plötzliches Austreten muss aber
vermieden werden. Zudem bildet Kohlendioxid mit Wasser
Kohlensäure, die mit dem Gestein oder der Verschlusstechnik der Bohrungen
reagieren kann. CO2 besitzt keine Halbwertszeit. Es ist
deshalb fraglich, wie eine gegen Null gehende Leckrate für Jahrtausende
garantiert werden soll. Technische Vorkehrungen und
Monitoring-Systeme erfordern noch viel Forschung und Entwicklung,
können als Argument für den Neubau von Kraftwerken
also nicht herhalten.
Auch wenn die Technik zur Herstellung reinen Sauerstoffs zur
Verfügung steht ist unklar, ob er in den benötigten Größenordnungen
wirtschaftlich produzierbar ist. Am Ende des Oxyfuel-
Prozesses steht die Verflüssigung des Abgases. Auch hier sind
neben der Rauchgasreinigung hohe Mengen
an Energie nötig, was
den Wirkungsgrad senkt und die Kosten in die Höhe treibt. Die
Frage des Abgastransportes soll in der Versuchsanlage
Schwarz
Pumpe mit Tanklastzügen gelöst werden. Für spätere größere
Anlagen kommen Pipelines in Frage. Trassenführung,
Sicherheitsfragen
und Flächenverbrauch sind dabei zu beachten,
wurden aber
noch nie diskutiert. Keinesfalls ist mit einer 100 prozentigen
CO2-Abscheidung zu rechnen, das Wuppertal-Institut
geht von maximal 75 Prozent CO2-Abscheidung aus.(6)