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Neue Tagebaue und Klima

(Letzte Änderung: November 2011)

Kein neues Kohlekraftwerk in Brandenburg!
Infoblatt der Klima-Allianz (November 2011, pdf, 2 S., 90 kB)

Vattenfalls Demonstrationsanlage in Jänschwalde / CCS-Gesetz / Braunkohle und Klima / Mehr Hintergründe zu "CCS"

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Vattenfall plant zusätzliches Kohlekraftwerk –
Konzept zur CCS-Demonstrationsanlage ist Mogelpackung

Kraftwerk Jänschwalde

Zum Hintergrundpapier (pdf, 8 S., 68 KB)

Potsdam, 25.10.2010. Nach Auswertung der von Vattenfall vorgelegten Unterlagen zum geplanten CCS-Demonstrationskraftwerk kritisieren Umweltverbände und Bürgerinitiativen das Konzept und bezeichnen es als unverantwortlich. Die Lausitzer Bürgerinitiative „Klinger Runde“, die BI „CO2-Endlager stoppen“ und der Umweltverband GRÜNE LIGA stellen heute in Potsdam ein Hintergrundpapier zu ihren Schlußfolgerungen vor.
Vattenfall plant als „Block G“ den Neubau eines weiteren Kohlekraftwerkes statt der bisher vorgesehenen Umrüstung von Teilen des bestehenden Kraftwerkes auf CCS. „Damit löst sich das wichtigste Argument für CCS in Luft auf: Wir Bürger sollen die Verpressung unter bewohntem Gebiet dulden, ohne dass Vattenfalls Kraftwerke dadurch weniger in die Atmosphäre ausstoßen! Die Landesregierung begeht Betrug am Bürger, wenn sie dieses Konzept zuläßt.“ sagt Mike Kess von der Bürgerinitiative „CO2-Endlager stoppen“ aus Beeskow.
Thomas Burchardt vom Lausitzer Netzwerk „Klinger Runde“ ergänzt: „CCS wird für dieselbe Menge Strom etwa ein Drittel mehr Kohle, Landschaften und Dörfer verbrauchen. Darauf deuten auch die von Vattenfall vorgelegten Zahlen hin. Mit ihrem starren Festhalten an der Braunkohle und CCS verweigert sich die Landesregierung der Realität. Das verhindert die zukunftsgerechte Umgestaltung der Region Lausitz.“
Die wegfallenden CO2-Minderungen sollen laut Vattenfall unter anderem durch Mitverbrennung weltweit eingekaufter Holzhackschnitzel in den bestehenden Braunkohlekraftwerken ausgeglichen werden. „Vattenfalls Konzept ist eine Mogelpackung. Das weltweit eingekaufte Holz würde ohne Wärmenutzung verschwendet. Wenn außerdem plötzlich massive Wirkungsgradsteigerungen der Altkraftwerke versprochen werden, warum wurde diese Möglichkeit bisher verschwiegen?“ fragt René Schuster von der GRÜNEN LIGA.
Allein der steigende Wasserverbrauch reicht aus, um den Kraftwerksbau abzulehnen: Um 1,7 Millionen Tonnen CO2 abzuscheiden und zu verpressen, soll das Kraftwerk 7 Mio. Kubikmeter mehr Wasser benötigen als bisher.
Mit nur 95prozentiger Reinheit des zu verpressenden CO2 will Vattenfall aus wirtschaftlichen Gründen hinter dem technisch Erreichbaren von vornherein zurückbleiben.
Ab 2015 will der Energiekonzern Vattenfall mit der großtechnischen Abscheidung von CO2 und dessen Verpressung unter bewohntem Gebiet beginnen.

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Entwurf der Bundesregierung zum CCS-Gesetz

Die Bundesregierung hat Ende am 14.Juli den Entwurf eines "Kohlendioxid-Speichergesetzes (KSpG)" vorgelegt. Bis zum 30.August waren neben anderen auch die Umweltverbände um Stellungnahmen zum Gesetzentwurf gebeten.
Hier der Gesetzentwurf (pdf, 6 S., 33 KB)
Stellungnahme der GRÜNEN LIGA (pdf, 81 S., 0,5 MB)

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Braunkohle und Klima

Braunkohle ist der für das Weltklima schädlichste Energieträger. Obwohl Millionensummen in Versuchsanlagen und in Imagekampagnen fließen, wird sich daran auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Es wird versucht, neue Tagebaue mit einer noch nicht vorhandenen Technologie zu legitimieren. Gleichzeitig plant Vattenfall aber eine drastische Laufzeitverlängerung gerade der klimaschädlichsten Kraftwerksblöcke Deutschlands. Keines der großen Klimaschutzversprechen zur Braunkohle wurde bisher verbindlich festgeschrieben.

Mit Braunkohle beheizte Kraftwerke setzen pro erzeugter Kilowattstunde Strom das meiste CO2 in die Atmosphäre frei. Zum Vergleich:

Braunkohlenkraftwerk alt: ca. 1200 g CO2/KWh
(z.B. 3000 MW in Jänschwalde, 1000 MW Boxberg)
Braunkohlenkraftwerk, heutige Technik: ca. 1000 g CO2/KWh
Steinkohlenkraftwerk: ca. 750 g CO2/KWh
Modernes Gaskraftwerk: ca. 360 g CO2/KWh

Das Kraftwerk Jänschwalde steht damit europaweit an fünfter Stelle unter den Klimakillern! Mit rund 25 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr verursacht es mehr als 2 Prozent aller deutschen CO2- Emissionen.

Die von Vattenfall propagierte Abscheidung und unterirdische Verpressung der Klimagase („CCS“ für „carbon capture and storage“) ist derzeit nicht verfügbar. Eine Versuchsanlage ohne Stromerzeugung wird in Schwarze Pumpe errichtet. Seit September 2008 werden die Versuche durchgeführt, frühestens 2015 wird man wissen, ob CCS funktioniert. Bis dahin soll aber bereits über drei der fünf neuen Tagebaue entschieden sein!

Zweifel an der CCS-Technik sind begründet:
• Niemand kann garantieren, wie sicher das CO2 unter der Erde bleibt. Über tausende Jahre müßte eine Leckrate von Null gewährleistet werden!
• Die Wirtschaftlichkeit der aufwändigen Technologie ist fraglich. Unternehmen wie die STEAG gingen deshalb bereits auf Distanz zur CO2-Abscheidung.(1)
• Weil für die CO2-Abscheidung viel Energie verbraucht wird (sinkender Wirkungsgrad), würde sogar ca. 30 Prozent mehr Kohle (= mehr Dörfer) für dieselbe Menge Strom gebraucht.

Vor 2030 erwartet selbst Vattenfall keine breite Anwendung bei allen Braunkohlenkraftwerken. Das bedeutet auch, dass Vattenfall die Laufzeit der 500 MW-Blöcke in Jänschwalde und Boxberg ab 2020 noch um 10 bis 15 Jahre verlängern will. So würden neue Tagebaue und Umsiedlungen zu großen Teilen der Versorgung von Deutschlands klimaschädlichsten Kraftwerken dienen.(2)

Nachdem Vattenfall sie während des Volksbegehrens gegen neue Tagebaue noch verschwiegen hatte, veröffentlichte der Konzern im März 2009 die beabsichtigten Verpressungsgebiete: weite Teile Brandenburgs um Beeskow und Neutrebbin. Hier trifft das Unternehmen auf massiven Widerstand der Bevölkerung:

Internetseite der Bürgerinitiative "Contra Endlager" im Oderbruch

Internetseite der Bürgerinitiative "CO2 Endlager stoppen" bei Beeskow

In der öffentlichen Diskussion wird von der Kohlelobby immer wieder behauptet, künftige Verstromung werde mit Kohlendioxidabscheidung (CCS) oder gar nicht stattfinden. Diese politische Behauptung findet sich aber im entsprechenden Beschluß der Regierungskoalition nicht wieder:

Zeitweise erwog die Landesregierung engeblich, die Pflicht zur CO2- Abscheidung als landesplanerisches Ziel zu beschließen.(3) Meinte sie es ernst, hätte sie es Landesentwicklungsplan aufgenommen, der zu diesem Zeitpunkt gerade in Bearbeitung war. Im Juni 2009 stellten die Landesbehörden gegenüber dem Braunkohlenausschuss klar, dass das auch in den einzelnen Braunkohlenplänen nicht passieren wird. Mehr noch: die Umweltprüfung für Braunkohlepläne soll den Verbleib des CO2 (die schlimmste Umweltfolge der Kohlenutzung) überhaupt nicht betrachten!

Mit dem Koalitionsvertrag der neuen rot-roten Landesregierung wurde (aller Voraussicht nach) lediglich die nächste heiße Luft produziert: "Neue Kraftwerke soll es in Brandenburg nur geben, wenn damit die in der Energiestrategie 2020 festgelegten CO2-Reduktionsziele von 40 Prozent bis 2020 und weiteren 35 Prozent bis 2035 gegenüber 1990 erreicht werden können. Hierzu soll der Umwandlungs-Sektor den größten Beitrag leisten. Dazu sollen mit den Betreibern neuer oder zu modernisierender Kraftwerke öffentlich-rechtliche Verträge abgeschlossen werden, um so einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2020 des Landes zu leisten."(4)

Die hier genannten Reduktionsziele sind nach wie vor die mit Vattenfall abgestimmten Aussagen der Energiestrategie 2020. Eine Entkopplung von der CCS-Technologie hat nicht wie mancherorts behauptet stattgefunden. Eher läßt der Wortlaut einen verheerenden Umkehrschluß zu: Klappt es mit den neuen Kraftwerken nicht, können die alten bis 2035 weiterlaufen. Für diesen Fall werden nämlich keine CO2-Reduktionsziele genannt! Mit Zustandekommen eines solchen Vertrages über Einzelheiten von Kraftwerksneubauten verpflichtet Vattenfall zunächst einmal die Landesregierung auf weitere 50 Jahre Braunkohlenutzung. Ob auch umgekehrt die Landesregierung Vattenfall etwas abringen will und kann, steht dagegen in den Sternen. Absehbar ist, dass der Großkonzern keinen freiwilligen Vertrag unterzeichnen wird, der seine geschäftlichen Bestrebungen einschränkt.

Hier ein Hintergrundpapier zum Koalitionsvertrag (29.10.2009, pdf, 4 S., 37 kb)

Neue Tagebaue in der Lausitz werden auch nicht gebraucht um das Weltklima durch Export der CO2-Abscheidungstechnik zu retten. An CCS-Verfahren forscht derzeit eine Vielzahl von Unternehmen weltweit.(5) Zudem könnte für Entwicklung, Erprobung und Export dieser Technologie die Kohle der bereits genehmigten Lausitzer Tagebaue genutzt werden.

Fußnoten:
(1) Die STEAG (inzwischen Evonik STEAG) mit Sitz in Essen ist Deutschlands fünftgrößter Stromerzeuger. “DIE ZEIT“ vom 29.03.2007 zitiert ein internes Positionspapier des Konzerns, demzufolge die Technik »nicht wettbewerbsfähig« sei.
(2) as gilt selbst, wenn die Kohle neuer Tagebaue rein physisch nur in CCS-Kraftwerken verbrannt würde, wofür es keinerlei Garantie gibt. Ohne neue Tagebaue würde man die Kohle aus den jetzigen Tagebauen ab 2020 in den effektivsten Kraftwerken (> 40 % Wirkungsgrad) verbrennen. Mit neuen Tagebauen wird sie zur Laufzeitverlängerung der ineffektivsten Blöcke (35 % Wirkungsgrad) verwandt und richtet so mehr Klimaschäden an.
(3) Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage, Landtagsdrucksache 4/5312
(4) "Vereinbarung zur Zusammenarbeit in einer Regierungskoalition für die 5. Wahlperiode des Brandenburger Landtages 2009 bis 2014"(Koalitionsvertrag) zwischen SPD und LINKE, S.21, Zeilen 910-917
(5) Laut Pressemeldungen will z.B. ein chinesisch-amerikanisches Unternehmen bereits 2009 ein 250-Megawatt-CCS-Kraftwerk in Tianjin bauen. Statt mit reinem Sauerstoff wird dort mit IGCC (einer Vergasungstechnik) gearbeitet. (Power Engineering Online, 31.12.2007)

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Hintergründe zu „CCS“

„Carbon Capture and Storage“ steht für Abtrennung von Kohlendioxid und Speicherung in unterirdischen Lagerstätten. Vattenfall verfolgt dabei das Grundprinzip des Oxyfuel-Prozesses, bei dem die Verbrennung mit reinem Sauerstoff anstelle von Luft erfolgt. Das dabei entstehende Rauchgas enthält keinen Luftstickstoff mehr, dafür steigt der CO2-Gehalt auf 75 bis 90 Prozent. Verbrennung mit reinem Sauerstoff bedeutet unerwünscht hohe Temperaturen im Brennraum. Die für eine derartige Hochtemperaturverbrennung über 800 °C nötigen Hochofenmaterialien sind großtechnisch noch nicht verfügbar. Zum Abkühlen wird ein Teil des Abgases zurückgeführt und damit gleichzeitig die CO2-Konzentration erhöht. Beim Oxyfuel- Verfahren wird ein Wirkungsgrad von 50 Prozent angestrebt. Lufttrennung und Verflüssigung reduzieren diesen aber wieder um 8 bis 15 Prozentpunkte. Bei konstanter Kraftwerksleistung müsste also mehr Brennstoff eingesetzt werden.

Bisher ungeklärt ist die Frage der Lagerstättenkapazitäten für das CO2. In Frage kommen alte Gas- oder Erdöllagerstätten, wo das Abgas zum Auspressen der Restbestände genutzt werden kann. Damit wird die suggerierte Klimaneutralität durch CCS aufgehoben. Weiterhin wird in Ketzin bei Berlin an einem Speicher in salinen Aquiferen (salzhaltigen Wasserschichten in großer Tiefe) geforscht. Das flüssige CO2 löst sich im Salzwasser und presst es zum Teil aus den Gesteinsporen.

Die Lagerstättensicherheit ist ebenfalls fraglich. Das Gas wird an einem Ort stark konzentriert, ein plötzliches Austreten muss aber vermieden werden. Zudem bildet Kohlendioxid mit Wasser Kohlensäure, die mit dem Gestein oder der Verschlusstechnik der Bohrungen reagieren kann. CO2 besitzt keine Halbwertszeit. Es ist deshalb fraglich, wie eine gegen Null gehende Leckrate für Jahrtausende garantiert werden soll. Technische Vorkehrungen und Monitoring-Systeme erfordern noch viel Forschung und Entwicklung, können als Argument für den Neubau von Kraftwerken also nicht herhalten.

Auch wenn die Technik zur Herstellung reinen Sauerstoffs zur Verfügung steht ist unklar, ob er in den benötigten Größenordnungen wirtschaftlich produzierbar ist. Am Ende des Oxyfuel- Prozesses steht die Verflüssigung des Abgases. Auch hier sind neben der Rauchgasreinigung hohe Mengen an Energie nötig, was den Wirkungsgrad senkt und die Kosten in die Höhe treibt. Die Frage des Abgastransportes soll in der Versuchsanlage Schwarz Pumpe mit Tanklastzügen gelöst werden. Für spätere größere Anlagen kommen Pipelines in Frage. Trassenführung, Sicherheitsfragen und Flächenverbrauch sind dabei zu beachten, wurden aber noch nie diskutiert. Keinesfalls ist mit einer 100 prozentigen CO2-Abscheidung zu rechnen, das Wuppertal-Institut geht von maximal 75 Prozent CO2-Abscheidung aus.(6)

Fußnoten:
(6) Fischedick et al: Strukturell-ökonomisch-ökologischer Vergleich regenerativer Energietechnologien (RE) mit Carbon Capture and Storage (CCS), 28.2.2007

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