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Neue Tagebaue und Wasser
(Letzte Änderung: April 2010)
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Aktuell:
Positionspapier zu Wassernutzungsentgelt und Bergbau in Brandenburg
April 2010 (pdf, 13 S.,244 kB)
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Tiefbrunnen zur Tagebauentwässerung
Die Braunkohleverstromung führt auf zwei Wegen zur Versteppung der Lausitz: langfristig
durch das freigesetzte CO2 und kurzfristig durch das abgepumpte Wasser. Zudem ist die
Wasserqualität in den Restseen ein ungelöstes Problem.
Während die Wunden der Vergangenheit im Wasserhaushalt
der Lausitz noch nicht geheilt sind, sollen schon wieder neue aufgerissen werden?
Derzeit pumpt der aktive Braunkohlenbergbau mit 230 Mio. Kubikmetern pro Jahr mehr
Grundwasser ab als alle anderen
Nutzer zusammen. Industrie, Landwirtschaft und Trinkwasserwerke kommen zusammen auf 160 Mio. m³ in
Brandenburg.
(1) Ohne Gegenmaßnahmen wirkt diese Absenkung kilometerweit in das Umfeld der Tagebaue.
Unterirdische Dichtwände sollen angeblich bei neuen Tagebauen
grundsätzlch angewandt werden. Bisher haben sich LAUBAG/Vattenfall
an mehreren Stellen geweigert, solche zu errichten, weil
die geologischen Bedingungen dafür nicht gegeben seien, so z.B.
am Westrand des Tagebaus Jänschwalde. So ist es auch nicht verantwortbar,
dass das Clausthal-Studie des Wirtschaftsministeriums
ohne jede Untersuchung pauschal annimmt, Schutzgebiete würden
ab 250 m Abstand zu einem Tagebau nicht negativ beeinflußt.
Das Baumsterben in Orten wie Jänschwalde spricht eine andere
Sprache.(2)
Das Durchbaggern der oberen Boden- und Gesteinsschichten
zerstört die bisherigen Grundwasserleiter dauerhaft und setzt
chemische Reaktionen in Gang, die zu erheblichen Problemen in
der Gewässerqualität führen. Die Tagebaurestseen werden zu den
größten Seen Deutschlands zählen. Zu ihrer Flutung sind große
Mengen Flusswasser nötig, da das aufsteigende Grundwasser aufgrund
der Verwitterung schwefelhaltiger Schichten oft versauert. Ohne Gegenmaßnahmen
erreicht das Kippenwasser und viele
dadurch gespeiste Seen pH-Werte zwischen 2,5 und 3,5. Das entspricht
dem Wert von Essig und macht diese Seen als Lebensraum
für höhere Pflanzen und für Fische ungeeignet.
Zur dadurch ansteigenden Versalzung der Flüsse mit Sulfat gibt es
bisher keine großtechnische Lösung. Für die Spree zwischen Spreewald
und Berlin prognostiziert das Dresdener Grundwasserforschungszentrum
Konzentrationen von 250–500 Milligramm
Sulfat pro Liter. Der Trinkwassergrenzwert liegt bei 240 mg / l, so
dass die aus Uferfiltrat erfolgende Trinkwassergewinnung in Brandenburg
und Berlin vor einem voraussichtlich kostenintensiven
Problem steht. Verbindliche Grenzwerte für die Einleitung von Sulfat gelten für den Braunkohlenbergbau
bisher nicht.(3)
Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der EU schreibt die Erreichung
eines guten chemischen und ökologischen Zustandes
der Oberflächengewässer und eines guten chemischen und mengenmäßigen
Zustandes der Grundwasserkörper bis 2015 vor. Auf
Grund jahrzehntelang abgesenkter Grundwasserspiegel werden
für die deutschen Braunkohlereviere selbst 12 Jahre
Fristverlängerung dafür nicht ausreichen. Die Richtlinie enthält
ein Verschlechterungsverbot, dem neue Tagebaue eindeutig widersprechen
würden.
Besonders gravierend ist der Einfluß der
Braunkohle-Großkraftwerke, die riesige Mengen Wasser als Kühlturmverluste in die Atmosphäre
abgeben ("Wolkenmaschinen"). Für seine drei Kraftwerksstandorte Jänschwalde, Boxberg und Schwarze Pumpe gibt Vattenfall
für das Jahr 2008 einen Bedarf von 114 Mio. Kubikmetern Brauchwasser an. Hiervon entfallen 92 Millionen
auf Kühlturmverluste.(4) Dies entspricht
2,9 Kubikmetern pro Sekunde, die dem ohnehin angespannten Wasserhaushalt der Lausitz entzogen werden.
Aber auch neu geschaffene Tagebau-Restseen verdunsten sehr viel Wasser, das dann in den
Flüssen im Abfluss dauerhaft fehlt.
Im Brandenburgischen Wassergesetz sind das Abpumpen von Grundwasser vom Wassernutzungsentgelt befreit,
Kühlwasser genießt einen stark ermäßigten Entgeltsatz. Darin sehen wir eine Begünstigung der Braunkohlenwirtschaft
gegenüber anderen Wassernutzern (z.B. kommunalen Wasserwerken), die abgeschafft werden muß.
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Fußnoten:
(1) Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage „Wasserwirtschaft im Land Brandenburg“, 20.2.2007, Landtagsdrucksache 4/4162, S. 30 f.
(2) „Innerhalb eines halben Jahres habe sich die Lage dramatisch verschlechtert. Der Baumbestand sei arg beschädigt, wurde festgestellt. (...) Wir können
sicher nicht in allen Fällen Vattenfall dafür verantwortlich machen, aber beim Großteil ist es schon offensichtlich, dass der Tagebau schuld ist.“
Baumsterben in Jänschwalde. Lausitzer Rundschau, 24.Mai 2007, S.19 (Lokalseite Cottbus)
(3) Braunkohlenbergbau und Auswirkung auf Brandenburger und Berliner Gewässer. Vortrag von Michael Bender, Bundeskontaktstelle Wasser der GRÜNEN
LIGA auf der Konferenz „BEDrohstoff Braunkohle“ am 10.März 2007
(4) Zeiß, Dr. Hartmuth (2009): Vortrag beim BWK-Bundeskongress in Dresden am 18.
September 2009, Folie 31
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