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Neue Tagebaue und Wasser

(Letzte Änderung: Februar 2013)

Neues Infoblatt: Wie Vattenfalls Braunkohle Ihr Trinkwasser gefährdet

Mit Eisenocker belasteter Spreezufluss
(Foto: Bündnis Klare Spree)

Für mehr als 2 Millionen Wasserkunden in Berlin und Frankfurt (Oder) ist wegen Vattenfalls Kohlegruben in der Lausitz die Trinkwasserqualität gefährdet. Die Kosten drohen statt auf den Verursacher auf die Verbraucher umgelegt zu werden.

Das Infoblatt als pdf (4 S., 1,4 MB)

Das Infoblatt liegt auch gedruckt im Format A 4 vor und kann bei uns kostenlos bestellt werden. Spenden für anfallende Portokosten sind erwünscht.

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Tiefbrunnen zur Tagebauentwässerung

Die Braunkohleverstromung führt auf zwei Wegen zur Versteppung der Lausitz: langfristig durch das freigesetzte CO2 und kurzfristig durch das abgepumpte Wasser. Zudem ist die Wasserqualität in den Restseen ein ungelöstes Problem. Während die Wunden der Vergangenheit im Wasserhaushalt der Lausitz noch nicht geheilt sind, sollen schon wieder neue aufgerissen werden?

Derzeit pumpt der aktive Braunkohlenbergbau mit 230 Mio. Kubikmetern pro Jahr mehr Grundwasser ab als alle anderen Nutzer zusammen. Industrie, Landwirtschaft und Trinkwasserwerke kommen zusammen auf 160 Mio. m³ in Brandenburg. (1) Ohne Gegenmaßnahmen wirkt diese Absenkung kilometerweit in das Umfeld der Tagebaue.

Unterirdische Dichtwände sollen angeblich bei neuen Tagebauen grundsätzlch angewandt werden. Bisher haben sich LAUBAG/Vattenfall an mehreren Stellen geweigert, solche zu errichten, weil die geologischen Bedingungen dafür nicht gegeben seien, so z.B. am Westrand des Tagebaus Jänschwalde. So ist es auch nicht verantwortbar, dass das Clausthal-Studie des Wirtschaftsministeriums ohne jede Untersuchung pauschal annimmt, Schutzgebiete würden ab 250 m Abstand zu einem Tagebau nicht negativ beeinflußt. Das Baumsterben in Orten wie Jänschwalde spricht eine andere Sprache.(2)

Das Durchbaggern der oberen Boden- und Gesteinsschichten zerstört die bisherigen Grundwasserleiter dauerhaft und setzt chemische Reaktionen in Gang, die zu erheblichen Problemen in der Gewässerqualität führen. Die Tagebaurestseen werden zu den größten Seen Deutschlands zählen. Zu ihrer Flutung sind große Mengen Flusswasser nötig, da das aufsteigende Grundwasser aufgrund der Verwitterung schwefelhaltiger Schichten oft versauert. Ohne Gegenmaßnahmen erreicht das Kippenwasser und viele dadurch gespeiste Seen pH-Werte zwischen 2,5 und 3,5. Das entspricht dem Wert von Essig und macht diese Seen als Lebensraum für höhere Pflanzen und für Fische ungeeignet.

Zur dadurch ansteigenden Versalzung der Flüsse mit Sulfat gibt es bisher keine großtechnische Lösung. Für die Spree zwischen Spreewald und Berlin prognostiziert das Dresdener Grundwasserforschungszentrum Konzentrationen von 250–500 Milligramm Sulfat pro Liter. Der Trinkwassergrenzwert liegt bei 240 mg / l, so dass die aus Uferfiltrat erfolgende Trinkwassergewinnung in Brandenburg und Berlin vor einem voraussichtlich kostenintensiven Problem steht. Verbindliche Grenzwerte für die Einleitung von Sulfat gelten für den Braunkohlenbergbau bisher nicht.(3)

Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der EU schreibt die Erreichung eines guten chemischen und ökologischen Zustandes der Oberflächengewässer und eines guten chemischen und mengenmäßigen Zustandes der Grundwasserkörper bis 2015 vor. Auf Grund jahrzehntelang abgesenkter Grundwasserspiegel werden für die deutschen Braunkohlereviere selbst 12 Jahre Fristverlängerung dafür nicht ausreichen. Die Richtlinie enthält ein Verschlechterungsverbot, dem neue Tagebaue eindeutig widersprechen würden.

Besonders gravierend ist der Einfluß der Braunkohle-Großkraftwerke, die riesige Mengen Wasser als Kühlturmverluste in die Atmosphäre abgeben ("Wolkenmaschinen"). Für seine drei Kraftwerksstandorte Jänschwalde, Boxberg und Schwarze Pumpe gibt Vattenfall für das Jahr 2008 einen Bedarf von 114 Mio. Kubikmetern Brauchwasser an. Hiervon entfallen 92 Millionen auf Kühlturmverluste.(4) Dies entspricht 2,9 Kubikmetern pro Sekunde, die dem ohnehin angespannten Wasserhaushalt der Lausitz entzogen werden. Aber auch neu geschaffene Tagebau-Restseen verdunsten sehr viel Wasser, das dann in den Flüssen im Abfluss dauerhaft fehlt.

Im Brandenburgischen Wassergesetz sind das Abpumpen von Grundwasser vom Wassernutzungsentgelt befreit, Kühlwasser genießt einen stark ermäßigten Entgeltsatz. Darin sehen wir eine Begünstigung der Braunkohlenwirtschaft gegenüber anderen Wassernutzern (z.B. kommunalen Wasserwerken), die abgeschafft werden muß.

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Fußnoten:
(1) Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage „Wasserwirtschaft im Land Brandenburg“, 20.2.2007, Landtagsdrucksache 4/4162, S. 30 f.
(2) „Innerhalb eines halben Jahres habe sich die Lage dramatisch verschlechtert. Der Baumbestand sei arg beschädigt, wurde festgestellt. (...) Wir können sicher nicht in allen Fällen Vattenfall dafür verantwortlich machen, aber beim Großteil ist es schon offensichtlich, dass der Tagebau schuld ist.“ Baumsterben in Jänschwalde. Lausitzer Rundschau, 24.Mai 2007, S.19 (Lokalseite Cottbus)
(3) Braunkohlenbergbau und Auswirkung auf Brandenburger und Berliner Gewässer. Vortrag von Michael Bender, Bundeskontaktstelle Wasser der GRÜNEN LIGA auf der Konferenz „BEDrohstoff Braunkohle“ am 10.März 2007
(4) Zeiß, Dr. Hartmuth (2009): Vortrag beim BWK-Bundeskongress in Dresden am 18. September 2009, Folie 31

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April 2010:
Positionspapier zu Wassernutzungsentgelt und Bergbau in Brandenburg

April 2010 (pdf, 13 S.,244 kB)

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